Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Hier bieten wir Antworten auf Fragen, die uns häufig gestellt werden.

Sowohl Betroffene, oder Zeug:innen eines Vorfalls als auch An- und Zugehörige der Betroffenen können diesen bei uns melden. Meldungen können auch anonym abgegeben werden.

Alle Vorfälle, bei denen ein rassistisches, antisemitisches oder rechtes Motiv zugrunde liegt. Dazu zählen explizit auch antiziganistische, queerfeindliche, antifeministische und obdachlosenfeindliche Vorfälle. Diese Vorfälle müssen nicht zwingend strafbar sein, wir möchten auch menschenfeindliche Vorfälle erfassen, die in keiner Polizeistatistik auftauchen würden. Das kann von einem Aufkleber an einem Laternenpfahl über Sachbeschädigungen, Beleidigungen bis hin zu verbaler und körperlicher Gewalt alles sein. Wenn du dir unsicher bist, reiche deinen Vorfall im Zweifelsfall lieber ein!

Nein, die Entscheidung, ob du Anzeige erstatten möchtest oder nicht, liegt allein bei dir. Wir erfassen Vorfälle unabhängig von der Polizei und anderen Behörden, aus einer zivilgesellschaftlichen Perspektive heraus. Wir wissen, dass die Hürde, zur Polizei zu gehen, sehr hoch sein kann und wollen explizit auch die Fälle erfassen, die die Polizei nicht erfasst, um zu zeigen, wie alltäglich alle diese Vorfälle sind. Wir geben keine Fälle oder Daten an die Polizei oder andere Behörden weiter.

Wir möchten einen Überblick darüber geben, welche Vorfälle es in Hamburg gibt und welche gesellschaftlichen Gruppen von spezifischen Formen der Ausgrenzung betroffen sind. Solange das Ausmaß der Vorfälle nicht sichtbar ist, gibt es gesellschaftlich auch kein breiteres Problembewusstsein für solche Vorfälle. Durch die Darstellung der Fallzahlen und eine Kontextualisierung der Vorfälle soll ein solches Problembewusstsein gefördert werden.

Aus den erhobenen Daten werden Berichte erstellt, die einen Überblick über gemeldete Vorfälle geben. Punktuell werden außerdem Berichte erstellt, die einzelne Phänomene oder Schwerpunkte beleuchten. Alle Berichte sollen dazu dienen, das Wissen zu erweitern und Dunkelfelder, die bezüglich dieser Vorfälle, existieren zu verkleinern.

Menschen mit rechten Einstellungen glauben, dass deutsche Menschen mit weißer Hautfarbe besser sind als andere Menschen. Sie glauben auch, dass arme oder behinderte Menschen weniger wert sind. Für Menschen mit rechten Einstellungen hat der Mann das Sagen und die Frau ist nur für die Familie zuständig. Menschen mit rechten Einstellungen schließen alle aus, die nicht so sind wie sie.

Die Verwendung des Begriffs „rechts“ ist eine bewusste Entscheidung, die auf der Notwendigkeit basiert, ein breiteres Spektrum an problematischen politischen Strömungen zu erfassen, als es der sicherheitsbehördlich eng gefasste Begriff des „Rechtsextremismus“ tut. Hier sind die wichtigsten Gründe für diese begriffliche Wahl:

  • „Rechts“ als notwendiger Sammelbegriff: Der Begriff „rechts“ dient als Sammelbezeichnung für verschiedene Strömungen und Ideologien, deren gemeinsamer Kern Vorstellungen von Ungleichwertigkeit sind. Darunter fallen nicht nur der Rechtsextremismus, sondern auch der Rechtspopulismus, der Rechtsradikalismus und die Neue Rechte. Da diese Phänomene oft nicht trennscharf abgrenzbar sind, sondern sich überschneiden und ineinander übergehen, ist ein umfassenderer Begriff präziser für die politische Einordnung.                                                                                                                
  • Abgrenzung zum demokratischen Konservatismus: In Deutschland beginnt „rechts“ dort, wo der demokratische Konservatismus aufhört. Während der demokratische Konservatismus Prinzipien wie Rechtsstaatlichkeit, Pluralismus und Menschenrechte folgt, basieren rechte Ideologien auf Antipluralismus, Antiliberalismus und Ethnopluralismus. Die Verwendung von „rechts“ hilft dabei, die geistige Trennlinie zwischen legitimem konservativem Denken und gefährlichen, antidemokratischen Einstellungen deutlich zu markieren.                                                                                                                                                                   
  • Entlarvung der „Selbstverharmlosung“ der Neuen Rechten: Ein zentrales Problem ist, dass sich Akteure der Neuen Rechten gezielt selbst als „konservativ“ etikettieren, um ihre Positionen zu tarnen und zu verharmlosen. Diese Strategie der begrifflichen Verwirrung geht unter anderem auf Armin Mohler zurück, der versuchte, antidemokratisches Denken als „konservative Revolution“ reinzuwaschen. Indem man den Begriff „rechts“ verwendet, wird dieser Verschleierung entgegengewirkt.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                     
  • Erfassung der Gefahr unterhalb der Extremismus-Schwelle: „Rechtsextremismus“ ist ein Begriff, der erst dann greift, wenn sich Bestrebungen aktiv gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung richten und somit sicherheitsbehördlich relevant wird. Gefährliches Denken beginnt jedoch schon früher: beim Rechtspopulismus (z. B. der Behauptung, man sei die einzig wahre Stimme des Volkes) oder beim Rechtsradikalismus (völkisches Denken). Beide sind oft noch vom Grundgesetz gedeckt, bereiten aber den Boden für extremistische Strukturen. Rechtsextremismusprävention oder Bildung „gegen rechts“ richtet sich somit gegen die gesamte Bandbreite an Ideologien, die auf der Überlegenheit einer völkisch konstruierten Eigengruppe basieren.

Rassismus bedeutet, dass Menschen in ‚Einheimische‘ und ‚Fremde‘ eingeteilt werden. Diese Einteilung passiert oft wegen Hautfarbe, Kultur, Sprache, Religion oder Herkunft. Den ‚Fremden‘ werden schlechte Eigenschaften zugeschrieben, obwohl man die Menschen nicht kennt. Das sind Vorurteile, die nicht stimmen.

Durch Rassismus werden Menschen benachteiligt. Das geschieht durch Worte oder Taten. Beispiele dafür sind: Es werden rassistische Witze gemacht. Sie bekommen schlechter eine Arbeit. Sie werden in der Schule schlechter behandelt. Sie haben große Schwierigkeiten, eine Wohnung zu finden.

Von Rassismus betroffene Personen sind:

  • Schwarze Menschen
  • Muslim:innen
  • Roma* und Sinti*
  • Kurd:innen
  • Alevit:innen
  • Êzîden*
  • Armenier:innen
  • Osteuropäer:innen
  • Asiat:innen
  • Personen, die als solche gelesen werden

Antisemitismus bedeutet, dass Menschen Vorurteile gegen Jüdinnen und Juden haben. Sie behandeln jüdische Menschen schlecht, nur weil sie jüdisch sind. Sie glauben falsche Dinge über Jüdinnen und Juden. Diese Vorurteile werden oft weitergegeben und wiederholt.

Antisemitismus führt dazu, dass jüdische Menschen ausgeschlossen werden. Jüdische Menschen werden auch beleidigt, bedroht oder angegriffen.

Heteronormativismus bedeutet, dass viele Menschen glauben: Es gibt nur zwei Geschlechter – Frau und Mann. Sie glauben, dass Männer über Frauen bestimmen sollen. Sie denken: Frauen sollen Männer lieben. Männer sollen Frauen lieben. Sie glauben: Das alles ist ‚normal‘ und ‚richtig‘ und anders wäre es falsch.

Durch Heteronormativismus werden Menschen abgewertet, die schwul oder lesbisch sind oder sich nicht festlegen wollen. Oder es werden Menschen abgewertet, die nicht als Frau oder Mann leben wollen. Außerdem werden Männer und Frauen nicht als gleichwertig und gleichberechtigt wahrgenommen.

Sozialdarwinismus bedeutet, dass manche Menschen glauben: In der Gesellschaft sollen nur die ‚Starken‘ überleben. Sie meinen: Starke Menschen sind mehr wert. Schwache Menschen sind weniger wert. Sie denken, dass Armut, Krankheit oder Behinderung Zeichen von ‚Schwäche‘ sind. Durch Sozialdarwinismus werden Menschen, die Hilfe brauchen, abgewertet. Sie bekommen weniger Unterstützung und werden oft aus der Gesellschaft ausgeschlossen.

 

Menschen mit rechten Einstellungen bekämpfen ihre politischen Gegner. Sie stellen ihre Gegner als Feinde dar. Sie behaupten ihre Gegner sind schlecht und gefährlich. Sie rufen dazu auf, gegen ihre Gegner vorzugehen. Sie wollen ihre politischen Gegner vernichten.

Für politische Gegner bedeutet das Bedrohung, Angst und Gewalt. Menschen mit rechten Einstellungen beleidigen ihre Gegner, machen ihnen das Leben schwer und greifen sie an. Manchmal töten Menschen mit rechten Einstellungen ihre Gegner.

Betroffene erleben häufig mehrere Ungleichbehandlungsdimensionen gleichzeitig. Eine zentrale Hinweisstelle ermöglicht eine genauere Erfassung und Analyse solcher intersektionaler Fälle. Gleichzeitig können wir diese im Verhältnis zueinander auszuwerten. Anstatt einzelne Formen von Ungleichbehandlung voneinander abzugrenzen oder zu gewichten, möchten wir allen Betroffenen gleichermaßen Raum geben und somit die Hierarchisierung von Diskriminierungserfahrungen vermeiden. Wir möchten darüber auch die Erfahrungen von marginalisierten Gruppen gleichwertig berücksichtigen und strukturelle Zusammenhänge sichtbar machen.

Eine einheitliche Anlaufstelle erleichtert zudem den Zugang für Betroffene und Zeug:innen und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Vorfälle tatsächlich gemeldet und damit sichtbar werden.

Kontakt

Johann Daniel Lawaetz-Stiftung
Gemeinnützige Stiftung des bürgerlichen Rechts
Neumühlen 16–20
22763 Hamburg
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